Eindrücke von der LEARNTEC 2014

Dank der örtlichen Nähe von Darmstadt und Karlsruhe bot sich dieses Jahr die Möglichkeit, die LEARNTEC 2014 zu besuchen. Mit der Hoffnung, die neuestens IT-Trends und Entwicklungen für Lern- und Bildungskontexte kennenzulernen, machten wir (Marco Wolf und Franco Rau) uns auf den Weg, um die Messe die LEARNTEC 2014 genauer in den Blick zu nehmen. Um die gesammelten Eindrücke unseres ersten Besuchs auf der LEARNTEC zu teilen, durften wir unserem Team im Anschluss Rede und Antwort stehen. Einen kleinen Ausschnitt dieses Gesprächs möchten wir auch hier dokumentieren.

LEARNTEC 2014. Foto: Franco Rau
LEARNTEC 2014. Foto: Franco Rau

Welchen Messestand oder welches Erlebnis auf der Messe war für euch besonders interessant bzw. anregend?

Marco: Von der Messe in Karlsruhe erhoffte ich mir Einblicke in neue Technik-Trends und Medienentwicklungen im Kontext der Erwachsenenbildung. So wurde man an diversen Ständen doch fündig, sei es auf faszinierende als auch auf skurrile Art und Weise. Einige Highlights gab es aus meiner Sicht definitiv, darunter waren aber nicht ausschließlich nur Messestände.

Nach einigen Runden durch die Messehalle entdeckten wir den Stand der Baden-Württemberger Polizei, welche auf diversen Monitoren einige Videoclips laufen ließen. Mein Interesse stieß sofort auf die „GTA-anmutende Spieloberfläche“, auf der eine Verfolgungsjagd zu sehen war. Ich erkundigte mich nach der Simulation und wurde darüber aufgeklärt, dass es sich dabei um eine Einsatzsimulationssoftware handelte. Jedoch geht es dabei weniger um strategische oder taktische Trainingssimulation, sondern vielmehr um Kommunikationstraining. In dem Videoclip waren neben der eigentlichen Spieloberfläche auch Trainingssequenzen zu sehen, in denen die Software ihren Einsatz fand. Wie in einem Call-Center saßen einige Beamten eingepfercht vor ihren PCs mit einem Headset. Ein freundlicher Beamte erzählte mir, es ginge dabei weniger um Zugriffstaktiken (dazu hätten die Beamten gesondertes Selbstverteidigungs- sowie Taktikschulungen erhalten). Hier gehe es primär um Funkdisziplin und Kooperationsvermögen mehrerer Einheiten mit dem Ziel, die Effizienz bei Einsätzen mit mehreren Einsatzkräften zu erhöhen. So wird bei der Simulation ebenfalls Wert auf reale Bedingungen der Akustik gelegt und für Piloten eines Hubschraubers sogar der Lärmpegel bzw. die Geräuschkulisse eines fliegenden Hubschraubers nachgestellt.

Bei den Trainingseinheiten sollen bestimmte Kommunikationsmuster trainiert und ausgeprägt werden. Sämtliche Trainingseinheiten werden von Psychologen begleitet, um eine Ergebnissicherung zu gewährleisten. Baden Württemberg, so wurde mir erklärt, gilt mit dieser Software als einer der wenigen Bundesländer Deutschlands, die solche Programme initiieren und ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Das Projekt ist Teil der Initiative POLIZEI-ONLINE.

Nach einer großen Runde in der Messehalle kamen wir an einer Art „Vortrags-Café“ vorbei. Neben einem Cafébetrieb waren viele Sitzmöglichkeiten und Sessel bereitgestellt worden, sodass ein Wohnzimmerflair eingefangen werden konnte. In dieser lockeren Atmosphäre hielten einzelne Referent_innen Beiträge, die nicht nur interessant waren, sondern auch von der äußert gemütlichen Umgebung profitierten. Nach einer guten (und überraschend erschwinglichen) Tasse Kaffee zog es uns abschließend zu der „Retro Games e.V.“ , welche an ihrem Stand diverse Konsolen und Automaten zum Spielen bereitstellten. So wurde man bei einer Runde Pac-Man zurück in die 80´er Jahre versetzt oder konnte bei Mario Kart für das Super Nintendo gegeneinander antreten.

Sega MegaDrive vom RetroGames e.V. Foto: Franco Rau
Sega MegaDrive vom RetroGames e.V. Foto: Franco Rau

Franco: Für mich gab es mehrere interessante Projekte. Dazu gehörten für mich auch die virtuellen Lernumgebungen und Ausbildungskonzepte von POLIZEI-ONLINE, aber auch Picapica als Webdienst für die digitale Textforensik oder der Verein Retro Games e.V. mit dem Ziel, die Kultur der elektronischen Videospiele in Deutschland zu erhalten. Interessant waren diese Messestände, Produkte sowie die dazugehörigen Menschen für mich vor allem deshalb, weil sie auf einer von „klassischen“ E-Learning-Szenarien geprägten Messe (inkl. WBTs mit starken Contentfokus und virtuellen Klassenräumen), eine abwechslungsreiche Exotenrolle einnahmen.

Besonders erwähnenswert erscheint mir aber vor allem das Fachforum school@LEARNTEC. So diskutierten u.a. André Spang, Detlef Steppuhn und Annette Hermanns aus der Perspektive von LehrerInnnen relevante Fragen zur Rolle von IT im Schulunterricht sowie in der Berufsausbildung (z.B. hinsichtlich Unterrichtsgestaltung, technischer Probleme, Chancen von BYOD oder zukünftige Schulentwicklung). Zudem gab es Vorträge über spezifische Anwendungen (z.B. http://mygeoquest.com) sowie Berichte aus der Lehrerbildung und Einsatzideen zu Tablets (u.a. von Jürgen Wagner).

Was hat euch am meisten irritiert?

Marco: Neben einigen wirklich innovativen Technologien musste ich an der ein oder anderen Stelle doch mit der Stirn runzeln und fragte mich, ob die Auftragsbücher gewisser Dienstleister wohl gefüllt seien. So wiesen einige Stände ihre Kompetenz in der Erstellung von Powerpoint-Präsentationen aus, ohne eine einzige Präsentation zu zeigen. Mir war es neu, das es Powerpoint-Dienstleister überhaupt gibt, doch tatsächlich gibt es wohl Firmen, die Präsentationen für andere Firmen anfertigen und aufbereiten.

Werbeslogan eines Messestandes auf der LEARNTEC2014. Foto: Franco Rau
Werbeslogan eines Messestandes auf der LEARNTEC2014. Foto: Franco Rau

Etwas weniger skurril erschien mir ein Stand, an dem „How-To-Videos“ angepriesen wurden, obwohl mir die Tragweite solcher Anbieter (seien es nun Powerpointpräsentationen, Videoanimationen oder ganze Konzeptpakete) nicht bewusst war. Ich staunte nicht schlecht, als an dem Stand der How-to-Filme internationale Global-Player-Firmen als Kundenreferenzen aufblitzten.

Franco: Nicht erwartet hatte die ich Vielzahl von unterschiedlichen Business orientierten E-Learning-Anbietern. Besonders irritiert hat mich dabei der Umstand, dass sich die angeboten Produkte (eben z.B. WBTs mit starken „Contentfokus „und Werbeangebote wie „Wir erstellen kostenlos einen Demokurs aus ihren Inhalten (ca. 10 Seiten)“) nicht wirklich neu erschienen. Durchaus kreativ war allerdings die Namensgebung an verschiedenen Ständen. So reichte das Repertoire von „The Art of E-Learning“ bis zur „E-Learning Force“.

Ebenfalls irritierend war der Besuch des Open Space auf der LEARNTEC 2014 bzw. das Programm der Spinnersuite getreu dem Motto: „SPINNEN ist wirklich angesagt. Gesucht sind wie immer experimentierfreudige Spinner, Narren, Querdenker.“ So entstand zwar in wenigen Minuten ein Konzept für eine Blended-Learning-Veranstaltung. Begründete Gestaltungsentscheidungen habe ich im Universitätskontext jedoch anders in Erinnerung.

Live-Seminarplanung nach dem Baukastenprinzip auf der LEARNTEC2014.
Live-Seminarplanung nach dem Baukastenprinzip auf der LEARNTEC2014. Foto: Franco Rau

Was bleibt in Erinnerung bzw. welche Eindrücke nehmt ihr mit?

Marco: Nach einigen Stunden auf der Messe und müden Beinen traten wir am späten Nachmittag die Heimreise an. Ich bin mit einer Erwartungshaltung auf die Messe gefahren, die nur bedingt erfüllt wurde. Dies liegt meines Erachtens daran, dass ein Großteil der präsentierten Konzepte/Dinge etc. für Firmen und Industrieunternehmen entwickelt und konzipiert wurden. Einige Konzepte, welche sich etwa auf Managerfortbildungen und Blended Learning- Konzepte stützten, schienen sich mit den meinen Vorstellungen eines gelungenen Seminars bzw. Fortbildungen zu brechen. Sei es drum, Manager stehen wohl auf knallharten Konkurrenzkampf und Kaminabende auf Wochenseminaren. Insgesamt war es aber doch den Ausflug wert. Die Reise lohnte sich neben vieler Vorträge auch besonders wegen der Einsicht, dass neben der Universitätenlandschaft ein ökonomisierter Bildungsmarkt existiert, der an vielen Stellen den Konkurrenzkampf unter „Bildungsanbietern“ offenlegt und sich jene Bildungsangebote hinter Superlativen, Reklametafeln und Bildungsversprechen verstecken. Dies ist keineswegs eine generalisierende Aussage, jedoch schienen mir einige Anbieter den angereisten Firmenchefs ein vermeintliches KnowHow anzupreisen, das der herrschenden Effizienz-Sehnsucht dieser Tage versucht, gerecht zu werden.

Franco: Ähnlich wie Marco war ich zugegebener Maßen überrascht, wie sich die E-Learning-Landschaft außerhalb von Bildungsinstitutionen wie Schule und Hochschule präsentiert. Was ich jedoch als sehr gelungen empfand, und ich wiederhole mich an dieser Stelle, war das Fachforum school@LEARNTEC. Einerseits hatte ich das Gefühl, dass Akteure aus der Institution Schule bzw. dem Schulumfeld die Möglichkeiten bekamen, ihre Perspektive im Rahmen einer entsprechenden Messe artikulieren zu können und auch gehört wurden. Zum anderen freute es mich zu sehen, wie viele verschiedenen Initiativen, Projekten und engagierten Menschen an der Weiterentwicklung der (vermeintlich trägen) Institution Schule arbeiten.